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Hilfe Schulalltag! – 7 Tipps für ein entspanntes Miteinander

By 26. August 2016 April 8th, 2019 Hochsensibilität und Schule, Hochsensible Kinder
Schulkind Umarmt Seine Mutter

Hochsensible Schulkinder stehen beinahe täglich unter Dauerstrom. Hohe Reizbarkeit, Wutausbrüche, Aggression und emotionale Achterbahnfahrten sind oftmals die Folge des ungefilterten und dauerhaften Empfangens von Signalen im Schulalltag.

Viele Eltern hochsensibler Kinder wissen das und versuchen dieses Szenario auszugleichen, indem sie besonders bemüht sind, ihrem hochsensiblen Kind sportliche Aktivitäten, Musikangebote, Theaterbesuche oder dergleichen zu bieten.

Vor allem Sport kann ein sehr gutes Mittel sein, um die vermehrt ausgeschütteten Stresshormone eines hochsensiblen Körpers abzubauen. Das Lernen eines Musikinstruments ist eine sehr gute Möglichkeit, den ständig bewegten Geist zur Ruhe zu bringen und ein Theaterbesuch oder ein Besuch bei guten Freunden kann sehr bereichernd für die hochsensible Seele sein.

VORSICHT! Jede dieser Situationen birgt die Gefahr weiterer Überreizung.

Nach einem anstrengenden Schultag, der für viele Kinder bis in den späten Nachmittag dauert und tausenden Eindrücken, die bis dahin schon den hochsensiblen Körper und Geist erreicht haben, kann jede zusätzliche Aktivität statt gewünschtem Ausgleich das Gegenteil bewirken und das Verarbeiten des Alltags noch mehr erschweren.

Es erfordert sehr viel Feingefühl, hier die Grenze zu ziehen und seinem Kind sowohl essentielle Anreize als auch bewusste Ruhephasen zu ermöglichen. Es ist sehr wertvoll, möglichst früh damit zu beginnen, seinem hochsensiblen Kind diese notwendige Balance im Alltag nahezubringen.

Hier ein paar Möglichkeiten

  • Für die bestmögliche Entfaltung Deines Kindes ist es wichtig, dass Du Dich mit dem Begriff der Überidentifizierung auseinandersetzt. Oftmals ist die Verbindung zwischen Dir und Deinem hochsensiblen Kind so stark, dass die Gefahr besteht, dass genau diese Verbindung eine objektive Wahrnehmung verhindert und Du Deine eigene Geschichte mit der Deines Kindes verwechselst. Das heißt, dass DU wesentlich mehr Probleme mit bestimmten Situationen hast, als Dein Kind. Gerade wenn Du als Elternteil selbst hochsensibel sind und Deine Schulzeit in schlechter Erinnerung hast, neigst Du wahrscheinlich zu Überidentifizierung. Die eigene Wahrnehmung, der eigene Widerstand und die eigene Hilflosigkeit einem System gegenüber, werden auf das Kind übertragen. Versuche, bewusst Dein Kind und seinen Schulalltag loszulassen. Natürlich wollen wir alle unsere Kinder vor der bösen, großen Welt da draußen schützen, vor einem System, hinter dem wir selbst nicht stehen können, aber versuche zu akzeptieren, dass Dein Kind seinen eigenen Weg geht, auf dem Du es nur begleiten darfst. Lass zu, dass Dein Kind anders ist als Du, auch wenn Du Dich noch so sehr in ihm siehst.
  • Gib Deinem Kind nach einem anstrengenden Schultag genug Zeit, um zu Hause anzukommen. Fragen wie:“ Wie war es heute in der Schule?“ und „Hast du deine Jause gegessen?“ können und wollen von einem überanstrengten Geist nicht beantwortet werden. Ein gutes Essen, ein warmer Tee und einfach die Möglichkeit in Stille und im eigenen Tempo anzukommen, wirken Wunder, damit der bewegte Geist im Körper zur Ruhe kommt.
  • Gib Deinem Kind die Möglichkeit, den Rest des Tages selbst zu planen und zu strukturieren. Natürlich brauchen kleinere Kinder hier noch etwas mehr Anleitung, aber so lernen hochsensible Kinder schon früh in sich hineinzuspüren und wahrzunehmen, wie sich ihr Energiehaushalt anfühlt. Lass Dein Kind immer wieder ansprechen, wie es sich fühlt. Das mag am Anfang ein bisschen schwierig sein, aber je öfter Kinder damit konfrontiert werden, in sich hineinzuspüren, desto öfter werden sie Worte dafür finden. Damit kannst Du Deinem Kind schon frühzeitig helfen, sich nicht selbst zu überfordern. Versuche, nicht allzu sehr in den Alltag Ihres Kindes einzugreifen, auch wenn Du diesen möglicherweise als sehr stressig empfindest. Wenn sich Dein Sohn beispielsweise in den Kopf setzt, 3mal pro Woche Fußball spielen zu gehen und sich zusätzlich für das Fußballmatch des Vereins am Wochenende anmelden möchte, lasse es zu, ohne zu sehr darunter zu „leiden“, weil dieser Zeitplan DIR zu viel wäre (Überidentifizierung!). Nimm Impulse, die von Deinem Kind ausgehen ernst, lass Dein Kind ausprobieren, wie es ihm in unterschiedlichen Situationen geht und leite es an, nach und nach selbst ein Gefühl dafür zu bekommen, was gut tut. Je älter unsere hochsensiblen Kinder werden, desto mehr dürfen wir ihnen die Entscheidungen überlassen – auch wenn wir selbst es anders tun würden.
  •  Wenn Du merkst, dass Dein hochsensibles Kind aufgrund der Anforderungen im Schulalltag bedrückt und gestresst ist, versuche, es durch positive Kommunikation und Bestärkungen zu unterstützen. Achte auch hier darauf, nicht zu sehr mitzuleiden. Versuche möglichst wenig auf negative Aussagen einzugehen. Das macht es für Dein Kind noch schwerer, wenn es mitbekommt, wie sehr (auch) Du darunter leidest. Mit Verständnis und klarer positiver Kommunikation leistest Du einen entscheidenden Beitrag, Deinem Kind den Alltag leichter zu machen.
  • Mische Dich aktiv ein, sollte Dein Kind aufgrund einer konkreten Situation zu sehr leiden und in seinem Wohlbefinden beeinträchtigt sein. Hier fordere ich Dich auf, selbstbewusst mit den Lehrpersonen Deines Kindes zu sprechen.
    Mein Dokument zum Download, das Du HIER findest, kann für das Gespräch mit LehrerInnen hilfreich sein.
  • Versuche, in ruhigen, entspannten Situationen Themen aufzugreifen, die Dein Kind bei der Strukturierung und Stressreduktion seines Alltags helfen können. Das kann beim Abendessen sein oder auch einmal zwischendurch. Besonders gut gelingt der Zugang oft, wenn Du Dein Kind dabei berührst, streichelst oder massierst. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sehr viel von diesen Gesprächen „hängen bleibt“ und den Alltag erleichtert.
  • Und zu guter Letzt: Hab keine Angst, Grenzen zu setzen und Dein Kind zu fordern. Gerade hochsensible Elternteile neigen aus dem Bedürfnis nach Harmonie und der Befürchtung, das zarte Gefühlsleben des eigenen Kindes zu verletzen heraus, dazu, Grenzen im Zusammenleben nicht ausreichend abzustecken. Es ist ein sehr hoher Anspruch, den wir uns als Eltern setzen, nämlich unser Kind bestmöglich zu fördern und zu unterstützen. Mache Dir bewusst, dass gute Förderung auch bedeutet, einen klaren Rahmen abzustecken, in dem sich das Kind bewegen kann. Erstens gibt ein klarer Rahmen Sicherheit – und das ist ein Grundbedürfnis – und außerdem vermittelst Du Deinem Kind dadurch, dass das Achten der eigenen Grenzen sowie jener anderer Menschen von großer Wichtigkeit ist. Auch Dein Selbstbewusstsein wird dadurch bereichert, wenn Du es schaffst, klare Aussagen zu treffen und diese konsequent zu verfolgen. Auch wenn Du eindeutige hochsensible Eigenschaften bei Deinem Kind wahrnimmst, trau Dich, Forderungen zu stellen, die für Dein Kind im ersten Moment möglicherweise sehr schwierig sind. Allerdings wirst Du nur dann richtig erfolgreich sein, wenn Dein Kind versteht, warum es etwas tun soll. Bleib stets liebevoll, aber bestimmt. Durch Grenzen und zumutbare (An)Forderungen unterstützt Du Dein Kind sehr auf seinem Weg in die Selbständigkeit. Überfürsorge und Grenzenlosigkeit schwächen Dich und Dein Kind auf lange Frist.

Ich wünsche Dir einen entspannte Zeit mit Deinem hochsensiblen Schulkind!

 

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