AUS DER NORM

Im heutigen Schulsystem hat man es mit einer hochsensiblen Veranlagung nicht leicht. Sehr schnell werden die dazugehörigen Eigenschaften mit Diagnosen wie beispielsweise “AD(H)S” oder unterschiedlichen Formen von “Verhaltensauffälligkeiten” versehen.

Das Schulsystem ist nach wie vor sehr starr. Mangel an Qualität und Quantität in der Betreuung sowie strenge Vorgaben erschweren es vor allem Kindern mit hochsensiblen Eigenschaften zusätzlich, sich zurechtzufinden.

HOCHSENSIBLE KINDER

Es ist sehr schwierig, in wenigen klar erkennbaren Kriterien zu beschreiben, was genau nun ein Kind zu einem hochsensiblen Kind macht. In unserer heutigen Zeit existieren zu viele scheinbar „aus der Norm“ laufende Verhaltenseigenschaften. Einige davon sind nicht klar einem Ursprung zuordenbar. Wankende soziale Gefüge und das Aufbrechen von althergebrachten, Jahrhunderte wirksamen Traditionen und Mustern erschweren vielen Kindern ihren stabilen Platz in der Welt zu finden, ob nun hochsensibel oder nicht.

Bei Hochsensibilität gehen oft unterschiedliche Verhaltensweisen Hand in Hand. Wahrgenommene starke Berührbarkeit und Empfindsamkeit eines Kindes wechselt sich ab mit völlig situationsunangepasstem Verhalten, bloß um nichts von dieser Empfindsamkeit Preis zu geben.

Kinder “härten sich ab” und versuchen dazuzugehören in eine Welt, in der “Coolness” zählt.

Meine eigene Hochsensibilität, meine Erfahrung als Pädagogin und Mama eines hochsensiblen Kindes, lässt mich folgende Merkmale hochsensibler Kinder herausstreichen:

  • Hochsensible Kinder lassen frühzeitig eine Tiefgründigkeit in der Ergründung so genannter Menschheitsfragen erkennen:
    „Warum lebe ich?“
    „Wie funktioniert das Universum und was war davor?“
    „Warum gibt es so viel Leid auf dieser Welt?“
  • Ein besonderes Interesse hochsensibler Kinder gilt dem Thema „Sterben, Tod und was kommt danach?“. Besondere Schwierigkeiten können beim Bewusstwerden der eigenen Vergänglichkeit bzw. nahestehender Menschen auftreten.
  • Hochsensible Kinder verfügen über eine präzise sprachliche Ausdrucksweise. Selbst die Mehrheit der introvertierten hochsensiblen Kinder zeigt sich erstaunlich kommunikativ, wenn ihnen ehrliches Interesse an der Wahrnehmung ihrer Welt entgegengebracht wird.
  • Auch die gut wahrnehmbare große Empathiefähigkeit ist ein wesentlicher Indikator für hochsensible Kinder. Anders als bei normal Sensiblen ist ihre stark spürbare Verbundenheit mit der sie umgebenden Umwelt. Sie erleben sich als Teil des großen Ganzen. So können als Kind schon intensive Gefühle von Weltschmerz auftreten.
  • Hochsensible Kinder besitzen oftmals eine große Wahrnehmungsbegabung  jenseits des herkömmlichen Alltagsverständnisses. Das kann große Angst machen, wenn die Wahrnehmungen nicht einfühlsam begleitet werden. Beispielsweise kann das Wahrnehmen der Befindlichkeit anderer Personen im eigenen Körper oder das „Lesen“ von Gedanken anderer zu völliger Überforderung führen. Umso mehr als jedes Kind ein eigenes Paket an mehr oder weniger gravierenden systemischen Verstrickungen mitbringt, mit denen es im Laufe eines Lebens konfrontiert wird. Die Unterscheidung des Wahrnehmens der eigenen Thematik oder jener der anderen Person stellt die meisten Kinder noch viel mehr als Erwachsene vor eine große Herausforderung.
  • Die sinnlichen Wahrnehmungen hochsensibler Kinder sind stark ausgeprägt. Vor allem ihr Geschmacks- und Geruchserleben kann sehr auffällig sein. Sie werden oft als sehr heikel angesehen, da sie schon sehr früh für sich auswählen können, was ihr Körper verträgt und was ihn überreizt.
  • Oftmals neigen hochsensible Kinder zu Ticks und zu Zwängen. Der Körper zeigt schon früh An- und Verspannungen. Die Schmerzempfindlichkeit und die Tendenz zu Hauterkrankungen und Allergien ist erhöht. Die Kinder sind dünnhäutig und anfällig für Allergien, da die Haut als größtes Organ mit aggressiver Abwehr reagiert sobald ihre Grenze überschritten ist.

Das Definieren und Einhalten der eigenen Grenzen ist wohl ein Lebensthema für die meisten Menschen. Für hochsensible Kinder und Erwachsene ist es absolut notwendig, diese Herausforderung zu meistern. Nur dann kann die eigene Sensibilität als Bereicherung angenommen werden.

Bedürfnisse von hochsensiblen Kindern sind fordernd, da sie ständig überfordert sind mit der Umgebung und ihren Reizen. Als Kind um ein Vielfaches mehr als im Erwachsenenalter. Das Erkennen, dass die Welt scheinbar anders wahrgenommen wird als bei den unmittelbaren Bezugspersonen führt sie in ein Dilemma:

Wieso bin ich anders?

Wieso bin ich so und nicht anders?

Wieso sind mir Menschen, die mir nahestehen, manchmal so fremd?

Es ist sehr wertvoll, wenn mindestens ein Elternteil ebenfalls hochsensibel ist oder sich die Eltern mit der Veranlagung ihres Kindes bewusst auseinandersetzen.

Viele Kinder wie auch Erwachsene begleitet als HSP demnach sehr oft mangelndes Selbstbewusstsein.

Hochsensible Kinder werden zu hochsensiblen Erwachsenen und sind ihr Leben lang auf der Suche nach Antworten.

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HOCHSENSIBILITÄT UND SCHULE

Das herkömmliche Schulsystem ist mehr als je zuvor ein Leistungssystem.

Unterschieden wird nicht – oder in keinem Fall ausreichend – Rechnung getragen. Der Vorteil, der aus so einer Unterschiedlichkeit entsteht, bleibt größtenteils unbeachtet. Das führt dazu, dass der Druck, einer Norm zu entsprechen, immer größer wird und dass die eigene Persönlichkeit als nicht zugehörig oder gar krankhaft erlebt wird.

Bei vielen, jedoch bei Weitem nicht allen hochsensiblen Kindern, entwickelt sich schon sehr bald die Tendenz des Introvertiertseins. Das Kind zieht sich zurück, um unangenehme Situationen mit Eltern, Freunden, Mitschülern oder Lehrpersonen zu meiden.

Kindern, die nicht mit Rückzug reagieren, wird in der Schule oftmals vermehrt Aufmerksamkeit entgegengebracht. Der Schulalltag ist zumeist laut. Viele unterschiedliche Persönlichkeiten und Dynamiken wirken minütlich auf das hochsensible Kind ein. Unterschiedlichste Lichtreize, Gerüche und oftmals räumliche Unordnung belasten das Kind von Tagesbeginn an. Die Möglichkeiten, sich auf eine Sache, auf die Stimme der Lehrperson, auf ein Referat oder auf das Ausfüllen eines Arbeitsblattes zu konzentrieren, bleiben beschränkt. Das Filtern all dieser Reize wird eine kaum bewältigbare Herausforderung und das Chaos im Kopf beginnt. Zugehörige negative Emotionen bahnen sich ihren Weg gepaart mit dem Gefühl, unzulänglich zu sein und nicht so zu „funktionieren“ wie das Umfeld.

Wenn der Stresspegel zu hoch wird, das anders Wahrnehmen, die unterschiedlichsten Reize und Persönlichkeiten nicht mehr bewältigt werden können, sind Verhaltensauffälligkeiten an der Tagesordnung.

Diese äußern sich dann unter anderem in Diagnosen wie AD(H)S. Sofern eine Diagnose dafür gefunden werden kann. Andere Definitionen sind zum Beispiel „verhaltensauffällig“, „schwer erziehbar“ oder „lernbehindert“.

Eltern und Lehrpersonen suchen oft vergeblich nach Ursachen und oftmals kommt dann der Satz:

“Naja, anders war er/sie ja schon immer… .”

Zusätzlich zum Konstrukt AD(H)S werden auch Autismus und Hochbegabung sehr oft mit Hochsensibilität in Verbindung gebracht.

Eindeutige Brücken zur Hochsensibilität sind bei allen Phänomenen erkennbar. Oftmals treten die Diagnosen auch gemeinsam auf. So haben beispielsweise laut Studien bis zu 50% aller Autisten auch die Diagnose ADS, was eine klare Abgrenzung noch mehr erschwert.

Gemeinsam ist in jedem Fall eine andere Art der Wahrnehmungsverarbeitung, die dazu führt im “normalen” (Schul)Alltag ständig auf manchmal unüberwindbare Anforderungen und Herausforderungen unserer schnelllebigen und auf Leistung und Funktionieren ausgerichteten Zeit zu stoßen.

Nur besondere Achtsamkeit, liebevolle Begleitung sowie das Schaffen eines förderlichen Umfeldes kann hier Abhilfe schaffen.

Erkennen Sie ihr Kind in diesen Beschreibungen wieder und suchen Unterstützung und Begleitung? Kontaktieren Sie mich!

Karin Abriel

tel: +43 660 1234 376

e-mail: info (at) hochsensibilitaet.at 

AD(H)S

Wohl eine der schnellsten Diagnosen unserer schnelllebigen Zeit. Wenn man überfordert ist mit all der Schnelligkeit, seine Aufmerksamkeit nicht fokussieren kann und damit in seiner Anpassungsfähigkeit eindeutig eingeschränkt ist, stößt man oft auf Unverständnis und wird in eine Schublade gesteckt.

In der Fachwelt ist AD(H)S ein Sammelbegriff für unterschiedliche Persönlichkeitsmerkmale.

Die Aufmerksamkeits-Defizit-Störung  (ADS) bzw. die Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Störung (ADHS) zeichnen sich durch eine andere Wahrnehmung der Umwelt aus, die sich eindeutig von jener, durchschnittlich sensibler Menschen, unterscheidet. Inwieweit hier eine Störung vorliegt, bloß weil von einer Norm abgewichen wird, sei dahingestellt. Starke Feinfühligkeit, eine starke innere Gedankenwelt, gesteigertes Empfinden gegenüber der Natur und Künsten sowie tiefes Mitgefühl für Menschen und Tiere zeichnen diese Wahrnehmungsqualität ebenso aus wie ständige Überstimulation der Sinne durch äußere und innere Reiz- und Informationsüberflutung.

ADHS ist die Bezeichnung für das Einbeziehen des Parameters Hyperaktivität in die Diagnose.

Hyperaktive Kinder zeigen oftmals Verhaltensweisen, die weit weg sind von Einfühlungsvermögen und sensitiver Wahrnehmung, sie haben eine geringe Aufmerksamkeitsspanne und sind selten „bei der Sache“. Alles Faktoren, die der Definition von Hochsensibilität eindeutig widersprechen. Mittlerweile gehen jedoch schon einige Experten davon aus, dass die Diagnose AD(H)S sehr viel mit Hochsensibilität gemeinsam hat. Auch meine Erfahrung zeigt mir, dass die Diagnose ADHS sehr viel mit Hochsensibilität gemeinsam hat, so zeigen Kinder mit ADHS u.a. erhöhte Sensibilität für die sozialen Bedürfnisse ihrer Mitmenschen, finden sich schwer bis kaum in starren Systemen zurecht und sind sehr beeinflussbar durch die Stimmung anderer Menschen. Mit Leistungsdruck und Stress können sie nicht umgehen. Sie verfügen über ein reichhaltiges Innenleben und können dieses in kreativen Prozessen ausdrücken.

ADS hingegen bezieht sich vorwiegend auf eine Persönlichkeit, die wenig Aktivität zeigt und dem Bild des „Träumerchens“ entspricht. Hier ist die Aufmerksamkeit nicht verringert, sondern vermehrt aktiv. Diese Kinder sind allen Einflüssen gegenüber sehr offen. Die über alle Sinne wahrgenommenen Eindrücke können nicht oder nur sehr langsam verarbeitet und integriert werden, was zu Überreizung und Überforderung führt. Ich stelle hier die Vermutung in den Raum, dass bei diesem Typus ein Zusammenhang mit einer gänzlich anderen Diagnose, nämlich Autismus, vorliegt.

Bei ADS zeigt sich dadurch zunächst ein klarer ersichtlicher Zusammenhang zur Hochsensibilität. Der früher oftmals hergestellte Zusammenhang, dass Kinder mit der Diagnose ADS auch hochbegabt sind, wird neuerdings stark angezweifelt, da sich ein Aufmerksamkeitsdefizit mit Hochbegabung einfach nicht verbinden lässt. Zielgerichtete Motivation, die Kinder mit ADS sehr deutlich besitzen, erlaubt jedoch sehr wohl solche Rückschlüsse. Wenn der Sinn, sich mit einer Sache oder Situation auseinanderzusetzen gegeben ist, dann kann die Aufmerksamkeit auch fokussiert werden. Hier sei angemerkt, dass dabei auch ein ganz klarer Zusammenhang mit Hochsensibilität besteht, da hochsensible Personen sich einer Sache nur dann voll und ganz hingeben können, wenn sie einen Sinn darin sehen und emotional davon berührt werden.

Ursachen von AD(H)S:

Ebenso wie bei einer hochsensiblen Veranlagung, sind die Ursachen komplex. So sind sie, laut bisherigen medizinischen Forschungen, sowohl in den Genen zu finden, als auch möglicherweise hirnorganisch bestimmt. Desweiteren wird diese Überreizung mit Medienkonsum, Unverträglichkeit von Nahrungsmitteln, hohem Zuckerkonsum in Verbindung mit Bewegungsmangel sowie systemischen Verstrickungen in der Familie in Verbindung gebracht.

Die Schwierigkeiten für alle, die mit Kindern und Erwachsenen mit AD(H)S leben, liegen zu einem großen Teil darin, dass die ständig überreizte Wahrnehmung bei vielen dazu führt, den Kontakt zum Körper zu verlieren, „neben sich zu stehen“, sich und andere nicht mehr zu spüren und  Grenzen zu erkennen und zu akzeptieren. Die andauernde Überforderung lässt viele hinter ihrem Potential zurückbleiben. Dadurch leidet der Selbstwert oft gewaltig, solange nicht gelernt wird, mit der Begabung umzugehen.

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„Ich schaue auf ein unbelebtes Objekt. Das hilft mir beim Denken. Ich kann mich besser konzentrieren, wenn ich auf eine bloße Wand schaue, aber die Menschen denken dann, ich würde sie ignorieren”

(Aussage eines Autisten)

AUTISMUS

Menschen mit Autismus zeichnet ihre besondere Art, die Umwelt wahrzunehmen, aus. Dabei wird unterschieden:

Frühkindlicher Autismus
Die Symptome treten hier bereits vor dem 3. Lebensjahr auf. Diese Art ist auch als Kanner-Syndrom bekannt. Auffällig dabei ist, dass der sachgerechte Gebrauch der Sprache große Schwierigkeiten bereitet sowie eine starke Beeinträchtigung besteht, eine Beziehung zu Personen aufzubauen. Betroffene Kinder und Erwachsene zeigen oftmals mehr Freude bei der Beschäftigung mit Gegenständen als am Sozialkontakt.

Atypischer Autismus
Diese Symptomatik tritt – oftmals in verminderter Form – nach dem 3.Lebensjahr auf.

Asperger Autismus

Das Asperger Syndrom (eine neuere Definition wäre jene der „Autismus-Spektrum-Störungen“) tritt etwa ab dem 4. Lebensjahr in Erscheinung, Hier zeigt sich oftmals das Auftreten überdurchschnittlicher Intelligenz oder auch von Inselbegabungen. Bekannt ist diese Art auch unter „Little Professor Syndrome“ oder „Nerd Syndrome“.

All diese versuchten Klassifizierungen und Definitionen zeigen, wie schwierig es ist, dieses komplexe Konstrukt von möglichen Wahrnehmungsdifferenzierungen zu kategorisieren. Die Ursachen sind komplex – auch hier wird von neurophysiologischen und genetischen Faktoren ausgegangen – und die Grenzen sind extrem fließend.

Jede Art von Autismus zeichnet sich durch eine – im Unterschied zu „neurologisch typischen Menschen“ – differenzierte Wahrnehmung aus. Ebenso wie Menschen mit AD(H)S sind Menschen mit Autismus wesentlich reizoffener, haben herabgesetzte Wahrnehmungsschwellen, tun sich schwer, scheinbar „Wichtiges“ von „Unwichtigem“ zu unterscheiden, weswegen ihnen in unserer Zeit sehr schnell eine Filterschwäche diagnostiziert wird.

Menschen mit autistischer Wahrnehmung werden oftmals die Eigenschaften “Gutes Einfühlungsvermögen”, “große Empathie“ sowie “Mitgefühl“ nicht zuerkannt. Wissenschaftlich belegt zeigen autistische Kinder jedoch nicht weniger Mitgefühl als andere.

Meine eigene Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichsten autistischen Kindern zeigt mir, dass sie Mitgefühl auf eine gänzlich andere Art und Weise ausdrücken.

“Wenn ich etwas einmal gesagt habe, bleiben meine Lippen verschlossen.
Einmal gesagt, warum sollte ich es noch einmal tun?“

(Songtext von David Byrne)

Es gibt eine riesige Bandbreite von Menschen mit der Diagnose Autismus. Allen Definitionen gemeinsam ist eine Beeinträchtigung der „normalen“ Kommunikation und der sozialen Interaktion. Ebenso werden gewisse stereotype Verhaltensweisen, die aufgrund von starkem Stress, dem autistische Menschen durch ihre Reizoffenheit ständig ausgesetzt sind, als Beruhigung eingesetzt.

siehe auch www.autistenhilfe.at

HOCHBEGABUNG

Ein Wort, das so unendlich viel aussagt, so viel mehr als wir in unserer Gesellschaft in eine bestimmte Schublade gepackt haben.

In der Wissenschaft gibt es zahlreiche Definitionen die Begriffe Hochbegabung und Hochintelligenz betreffend. Einigkeit bestand lange Zeit darin, dass sie besondere, sehr eindeutig mit unserem rationalen Intellekt verbundene Begabungen darstellen, über die nur wenige Menschen verfügen.

Soweit die Schublade. Es lässt sich also in einer immer rationaler werdenden Welt auch eine immer rationaler geprägte Intelligenzdefinition feststellen.

In den letzten Jahrzehnten haben sich mehr und mehr Menschen kritische Gedanken über die Definition und Messbarkeit des Begriffes von Intelligenz und damit verbundener Hochbegabung gemacht.

Den Psychologen und Erziehungswissenschafter Howard Gardner möchte ich hier unbedingt anführen, da er mit seiner Theorie der multiplen Intelligenzen 1983 mit der vielsagenden deutschen Übersetzung „Abschied vom I.Q. – Die Rahmen-Theorie der vielfachen Intelligenzen“einen entscheidenden Schritt in Richtung Neudefinition und Erweiterung setzte. Daniel Goleman, ebenfalls Psychologe an der Harvard Universität meinte in seinem 1997 publizierten Werk „EQ – Emotionale Intelligenz“:

„Was nützt ein hoher IQ, wenn man ein emotionaler Trottel ist.“

Goleman, Daniel (1997). Emotionale Intelligenz.

Beiden kritischen Auseinandersetzungen gemeinsam ist die Ergänzung des Begriffes Intelligenz mit einer emotionalen und sozialen Komponente, die in herkömmlichen Intelligenztests größtenteils außer Acht gelassen werden.

Hochbegabung bringt genauso wie Hochsensibilität einen erhöhten Stressfaktor im Alltag mit sich. Diese Spannungen äußern sich vor allem bei Kindern sehr deutlich. Oftmals ist sozialer Rückzug die geeignete Strategie, dem Stress zu entkommen oder – wie beim Phänomen AD(H)S – die besondere Auffälligkeit im Sozialverhalten. All das führt zur Stigmatisierung „anders“ zu sein.

Wenn demnach die Frage im Raum steht, ob alle hochsensiblen Menschen automatisch auch hochbegabt sind, so ist das im Sinne des messbaren IQ-Wertes, der bei definiert hochintelligenten Menschen ab 130 liegt, zu verneinen.

Nehmen wir jedoch Abstand von genormten Messmodellen und öffnen uns für eine neue Herangehensweise an das Thema Intelligenz und Begabung, so kann davon ausgegangen werden, dass hochsensible Menschen besondere, im Vergleich zu normal sensiblen Menschen, (Hoch)Begabungen in sich tragen, die im Laufe eines Lebens bestmöglich entwickelt werden können. Sei es aufgrund ihrer Fähigkeiten vernetzt zu denken, sich durch große Empathie in Mitmenschen und deren Bedürfnisse einfühlen zu können, schnellstmöglich und in unterschiedlichen Bereichen Situationen in ihrer Komplexität und geeignete Problemlösungsstrategien zu erfassen oder durch ihr ständiges kritisches Hinterfragen von Normen und Regeln zu Veränderungsprozessen beizutragen. Denn der Intelligenzbegriff umfasst auch das Vermögen, die evolutionäre Entwicklung voranzutreiben.

Eine neuere und weiter gefasste Definition im Bereich der Hochbegabung findet sich beispielsweise auf der Homepage der Hochbegabtenförderung Oberösterreich

Genius Child Sepia2
Indigo Child Sepia2

INDIGO-PHÄNOMEN

Das Indigo-Phänomen ist Ausdruck einer sehr spirituellen, esoterischen Sichtweise auf das Thema Hochsensibilität.

Es gibt im heutigen Sprachgebrauch keine allgemein anerkannte Definition von Esoterik. Die aus traditionellen Überlieferungen stammende Bedeutung „Höheres Wissen“ halte ich für eine mögliche Übersetzung, die auch erklärt, warum Esoterik in der Umgangssprache sehr oft als irrational und versponnen gedeutet wird. Es fehlt (noch) der rational wissenschaftliche Aspekt. Dies macht das Thema für viele Menschen schwer greifbar und angstbesetzt.

Heutzutage gibt es stark spürbar zwei völlig unterschiedliche Herangehensweisen an gleiche Themen. Die eine Seite ist eben jene der Wissenschaft, sehr rational und auf Messbarkeit basierend, die andere Seite ist jene der Wahrnehmung und Erfahrung außerhalb dieser Messbarkeit. Und dazwischen gibt es jede Menge Scharlatanerie, die es, in einer Zeit der Sinnsuche und der Suche nach sich selbst, umso schwerer macht, die eigenen Wahrnehmungen von mehr oder weniger wohlklingenden Meinungen anderer zu identifizieren. Zu leicht findet man sich vermeintlich aufgehoben in Gemeinschaften und Lebenswelten, die dem Wort „esoterisch“ zu seinem negativen touch verholfen haben.

Schon seit der frühesten Menschheitsgeschichte bezeichnet Spiritualität das intuitive Einordnen unerklärlicher Phänomene. Auch hier gibt es eine Vielzahl an unterschiedlichsten Definitionen, die sehr oft mit Religion in Verbindung gebracht werden, letztendlich geht es aber überall um eine immaterielle, nicht sinnlich fassbare Wirklichkeit, die dennoch erfahr- oder erahnbar ist.

Rudolf Steiner hat dazu den Begriff „Anthroposophie“ geprägt, der im Gegensatz zur „Anthropologie“ eine umfassende Art der Anschauung des Menschen und der Welt vertritt. Der Mensch wird in seiner Beziehung zum Übersinnlichen betrachtet. Dazu werden unterschiedlichste Elemente, unter anderem fernöstliche Lehren und naturwissenschaftliche Erkenntnisse miteinander verbunden.

Anthroposophie gilt als eine weltweit vertretene spirituelle Weltanschauung.

Auf spiritueller und esoterischer Ebene hat sich der Begriff des Indigo Phänomens durchgesetzt, welcher lediglich durch andere definierte Begrifflichkeiten vom Phänomen der Hochsensibilität abweicht.

Indigo als Stimmungsfarbe ist ein Zeichen für spirituelles Bewusstsein. Der betreffende Mensch stellt tiefgründige Fragen und entwickelt seinen eigenen Glauben oder seine eigene Philosophie.

Ofmals fällt in diesem Zusammenhang auch der Begriff der „Indigo Kinder“. Diese Bezeichnung stammt von Nancy Anne Tappe. Sie stellte Ende der 80er Jahre fest, dass vermehrt Kinder mit indigofarbener Aura zur Welt kamen.

Auch das Wassermann – Zeitalter wird häufig mit dem Auftreten des Indigo – Phänomens in Verbindung gebracht, welches die Menschheit einen großen Schritt näher in Richtung Bewusstseinsevolution bringt.

Indigo – Merkmale gleichen sich mit jenen Merkmalen, die man hochsensiblen Menschen zuordnet.

Wendy H. Chapman listete 2001 erstmalig Merkmale auf, die beispielsweise im Buch des Psychologen Kabir Jaffe und seiner Partnerin Ritama Davidson in ihrem Buch „Indigo Erwachsene, Wegbereiter einer neuen Gesellschaft“ 2005 erwähnt wurden.

Weiterführende links dazu:

naturheilmagazin.de

metagifted.org