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Was mein hochsensibler Sohn mir gelernt hat

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Mein Sohn ist jetzt 15.

So groß schon, so erwachsen.

Wann ist das passiert?

Wann hat er sich von dem kleinen süßen Jungen, der lange Zeit nachts zu mir ins Bett gekrabbelt kam, zu dem jungen Mann entwickelt, den ich jetzt in ihm sehe?

Mein Schatz, mit dem ich so eng verbunden bin, dass das Loslassen weh tut.

Ja dieses Loslassen, ein Lebensthema für so viele hochsensible Mamas…

Wenn ich an die bisherige Zeit zurückdenke, überkommt mich das Gefühl unendlicher Dankbarkeit.

Dankbarkeit für unseren gemeinsamen Weg.

Dankbarkeit für sooo viele gemeinsame Erfahrungen.

Dankbarkeit für einen großartigen Lehrmeister.

Ich kann mich noch sehr gut an den Tag seiner Geburt erinnern, es war mein 28. Geburtstag. Ja, wir haben am selben Tag Geburtstag und sind beide im Zeichen des Wassermanns geboren.ü

Unsere Beziehung war vom ersten Tag an unglaublich. Unglaublich intensiv. Er war zwar nicht mehr Teil meines Körpers, doch mein ganzer Körper hat ihn von seinem ersten Lebenstag an gespürt. Jedes Bauchweh, jedes Unwohlsein, aber auch jedes Lächeln und jeder Blick – ein Körper, zwei Seelen! <3

Es ist so viel, was uns verbindet … unsere sensible Haut, die Neurodermitis, die Allergieanfälligkeit, unsere oftmalige Unruhe und Zappeligkeit, unser Rückzugsbedürfnis, unser kritischer Geist, unser Widerstand mit so Vielem, unsere Empathie….und so vieles mehr.

Diese Verbindung ist wunderbar. Ein unglaubliches Geschenk. Ein großartiger Spiegel. Durch die Augen meines Sohnes sehe ich in meine Seele.

…und gleichzeitig gab es von Beginn an so viele Herausforderungen zu meistern, die diese einzigartige Verbindung mit sich bringt:

MEINE Schwierigkeit, mich ausreichend abzugrenzen

MEINE Sorge, mein Sohn wird nicht „gesehen“

MEINE Ängste, er wird es mit seinem Wesen in dieser Welt sehr schwer haben

MEINE Hilflosigkeit, ihn in ein System wie Schule zu entlassen…..

Ja, genau das war es (und ist es zeitweise immer noch;) – MEIN THEMA!

Ich habe in meiner Kindheit und Jugend so oft die Erfahrung gemacht, anders zu sein, nicht in dieses System zu passen, eine völlig andere Wahrnehmung und ein gänzlich anderes Spüren zu besitzen als meine Umwelt. Ich habe mich nicht gesehen gefühlt in dieser Andersartigkeit, habe vieles mit mir selbst ausgemacht, mich angepasst und gefügt – geblieben ist immer ein Gefühl von Unzulänglichkeit.

Durch die Verbindung mit meinem Sohn habe ich so Vieles erkennen und neu ausrichten dürfen.

Zu Beginn war mir nicht klar, dass diese Beziehung ein unglaublicher Spiegel ist, um mich besser kennenzulernen, um mich bewusster wahrzunehmen und in meine Kraft zu kommen.

Genau das ist es, was mein Sohn mir beigebracht hat:

Mich zu spüren, mich zu akzeptieren und mich neu zu programmieren. Tag für Tag (und viele Nächte ;-).

Sehr oft habe ich mich verloren, habe in meinem Sohn gesehen, was mir gehört, habe aus ihm ein hilfsbedürftiges Wesen gemacht, das meinen besonderen Schutz braucht. Und umgekehrt war es genauso. Meine Hilflosigkeit hat ihn belastet, teilweise sicher auch überfordert. Ich kann mich an viele Male erinnern, wo er mich fragte: „Mama, geht`s eh??“.

Puh…das waren anstrengende Zeiten, vor allem dann, als mein Sohn in die Schule kam, und da vor allem beim Übertritt ins Gymnasium.

So viele Elterngespräche, die mich wütend gemacht haben, so viele Nachmittage, die unglaublich anstrengend waren, so viele Abende, die mit Hausaufgaben und  Schulthemen verbracht wurden….und so viel Druck.

Wir sind oft aneinander geraten, haben und gegenseitig noch  mehr Druck gemacht und keinen Raum mehr gegeben.

In dieser Zeit habe ich mich von unterschiedlichen Menschen unterstützen lassen und habe so vieles erkennen dürfen.

Ich habe gelernt

  • mir und meinem Sohn Raum zu geben.
  • meiner Hochsensibilität den Beigeschmack der Schwäche zu nehmen.
  • in meinem Körper anzukommen und stabil am Boden zu stehen.
  • liebevolle Klarheit für meine Grenzen und Bedürfnisse zu entwickeln, um so meinen Sohn bei seinen Bedürnissen und der Wahrung seiner Grenzen bestmöglich zur Seite stehen zu können.

Und ich habe gelernt dass mein Sohn bei so vielen Dingen schon einen unendlich großen Schritt weiter ist als ich:

  • er kennt seine Bedürfnisse
  • er kennt seine Stärken und Schwächen
  • er kann verbalisieren, was er braucht …und
  • er kann mir ganz viel Druck nehmen, indem er immer wieder sagt: „ Mama, ich schaff `das schon!“ J

Ja, mittlerweile kann ich ihm und mir vertrauen. Kann der starke Anker sein, zu dem er immer wieder zurückkommen kann, der ihn versteht, aber nicht bemitleidet, der mit ihm wächst, ohne ihn einzuengen.

Das Schritt für Schritt loslassen fällt immer noch schwer … aber das ist Leben. Und das ist gut so.

Diese Zeilen habe ich zum 13. Geburtstag meines Sohnes (mein 41. Geburtstag) geschrieben:

 

Für meinen Sohn

In Deinen Augen sehe ich meine Seele.
In Deinem Herzen spüre ich meinen Freiheitsdrang.
Deine Unruhe gleicht meinem Kampf im Leben Halt zu finden.
Deine Gedanken kann ich nachvollziehen.
Jeden einzelnen davon kennt mein angestrengter Geist.
Der Beobachter in Dir sieht die Schatten, die das Licht hervorbringt.
Nur durch meine Dunkelheit kann ich Dir zu Kraft verhelfen.

Dein Weg ist jetzt.
Der Stein, den Du ins Wasser wirfst schlägt Wellen.
Sei der achtsame Hüter Deiner Freiheit.
Für den Geist der Freiheit gibt es keinen Zaun.
Dein offenes Herz wird Dir Türen öffnen.
Folge dem Ruf Deiner Träume. Sie werden Dich dorthin bringen, wo Du gebraucht wirst.

 

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